Rabenvögel in Parks und auf Friedhöfen

Alte Bäume, kurzer Rasen, keine Jagd: Was Grünflächen in der Stadt für Rabenvögel so attraktiv macht — und warum Vertreiben dort selten funktioniert.

Wer durch einen alten Stadtpark oder über einen Friedhof mit hohem Baumbestand geht, trifft dort häufig auf Rabenvögel. Das hat mit dem zu tun, was diese Flächen auf engem Raum bündeln — und es erklärt, warum Konflikte dort anders zu lösen sind als mit Vertreiben.

Was Parks und Friedhöfe bieten

Die Schweizerische Vogelwarte nennt vier Gründe, warum Elstern und Rabenkrähen in den letzten Jahrzehnten ins Siedlungsgebiet eingewandert sind: Wichtige Feinde wie der Habicht wagen sich nur selten in dicht überbaute Zonen. In Dörfern und Städten werden die Vögel aus Sicherheitsgründen nicht bejagt. Das Brutplatz- und Nahrungsangebot ist im Siedlungsraum häufig besser als in der ausgeräumten Kulturlandschaft. Und Rabenvögel gewöhnen sich rasch an veränderte Bedingungen.

Die Angaben stammen aus der Schweiz. Auch in Deutschland ruht die Jagd nach § 6 Bundesjagdgesetz in befriedeten Bezirken; ob eine Grünfläche dazu zählt, ist eine Frage des Einzelfalls.

Parks und Friedhöfe verbinden die übrigen Vorteile besonders eng: alte Bäume für Nester und Schlafplätze, kurzrasige Flächen für die Nahrungssuche am Boden, dazu Abfall. Warum Rabenvögel insgesamt in Siedlungen zunehmen, während sie in der Feldflur zurückgehen, beschreibt der Überblick über Rabenvögel in der Stadt.

Welche Arten dort vorkommen

Nach den Artbeschreibungen des NABU lassen sich in Grünanlagen fast alle heimischen Rabenvögel antreffen:

  • Elster — wegen Bejagung und Ausräumung der Feldflur heute ein ausgesprochener Vogel der Dörfer und Städte, besonders der Ortsrandlagen.
  • Rabenkrähe — auch in Dörfern und Städten weit verbreitet; in den östlichen Bundesländern und in Schleswig-Holstein brütet vor allem die Nebelkrähe.
  • Saatkrähe — brütet in Kolonien, gern auch in städtischen Parks und bis in die Innenstädte.
  • Dohle — höchste Siedlungsdichten in Städten; Höhlenbrüter in alten Bäumen und Gebäuden wie Kaminen und Kirchtürmen.
  • Eichelhäher — eigentlich Waldbewohner, siedelt aber auch in Parks, baumreichen Friedhöfen und größeren Gärten.
  • Kolkrabe — kommt auch in bewaldeten Parks vor.

Wie das in einer Großstadt aussieht, zeigen die Zahlen des NABU Berlin, der für seine Angaben kein Erhebungsjahr nennt: Für das Stadtgebiet werden 4.300 Brutpaare der Elster und 4.500 Reviere der Nebelkrähe angegeben, dazu 1.200 Eichelhäherpaare und 20 bis 25 Kolkrabenpaare. Dohle und Saatkrähe brüten dagegen nur noch mit etwa 40 und 110 Paaren in der Stadt.

Alte Bäume als Brutplatz

Hohe Laubbäume sind für die Saatkrähe die Voraussetzung einer Kolonie. Im Raum Rosenheim, wo der LBV 2025 in Stadt und Landkreis 57 Kolonien mit 1.376 Brutpaaren zählte, brüten die Vögel mit einer Ausnahme ausschließlich in Laubbaumgruppen, meist in unmittelbarer Nähe von Straßen. Der LBV fordert allgemein, große alte Bäume als Nistplatz zu erhalten und Horstbäume nur außerhalb der Brutzeit zu schneiden.

Krähennester sind dabei nicht nur für Krähen von Wert. Nach Angaben des NABU Berlin dienen Nebelkrähennester nach dem Ausfliegen der Jungen Arten als Brutplatz, die selbst keine Nester bauen: Waldohreule und Turmfalke, aber auch der in Berlin und Brandenburg vom Aussterben bedrohte Baumfalke.

Vor allem im Herbst und Winter dienen hohe Bäume in Städten außerdem als Schlafplätze, an denen Rabenvögel laut LBV zu Hunderten oder Tausenden übernachten. Woher diese Trupps kommen und wie ein solcher Schlafplatz funktioniert, beschreibt der Beitrag Rabenvögel im Winter.

Nahrung zwischen Rasen und Abfalleimer

Elstern und Rabenkrähen fressen, was gerade am einfachsten verfügbar ist. Vom Spätwinter bis in den Sommer bestehen die Mahlzeiten der Altvögel laut Vogelwarte vor allem aus Regenwürmern und Insekten. Wirbeltiere, Eier und Nestlinge spielen nur eine geringe Rolle; im Spätsommer nimmt der Anteil an Früchten, Beeren und Körnern zu.

Hinzu kommt, was Menschen hinterlassen. Speisereste, Komposthaufen und andere Abfälle sind in Siedlungen ganzjährig ergiebige Nahrungsquellen; der LBV nennt ausdrücklich offene Abfalleimer. Die Nestlinge beider Arten erhalten trotzdem überwiegend frische, tierische Nahrung.

Konkurrenz auf engem Raum

Dass die Bestände im Siedlungsraum nicht unbegrenzt wachsen, liegt an Regulationsmechanismen, die mit der Dichte stärker werden. Die Vogelwarte beschreibt drei: Bei hoher Bestandsdichte treten vermehrt Nichtbrüter auf, die Brutpaare bei der Jungenaufzucht erheblich stören und den Bruterfolg schmälern können. Die Aggression zwischen benachbarten Brutpaaren nimmt zu. Und Elstern und Rabenkrähen vertragen sich untereinander schlecht und plündern sich bei Gelegenheit gegenseitig die Nester.

Der NABU Berlin berichtet Ähnliches von Elster und Nebelkrähe: Im selben Revier kommt es zu Rivalitäten, die meist mit dem Abwandern der unterlegenen Elster enden. Gleichzeitig hat mit der Elster auch ihr natürlicher Gegenspieler zugenommen — der Habicht ist in Berlin häufiger geworden.

Und die Singvögel im Park?

Wenn Elstern und Rabenkrähen in Siedlungen zunehmen, steht laut Vogelwarte oft die Sorge um die Kleinvögel im Vordergrund. Die Befunde sprechen dagegen. Für ein rund 24 Quadratkilometer großes Untersuchungsgebiet im Stadtbereich Osnabrücks nennt der LBV eine Zunahme des Elsternbestands um 280 Prozent in knapp zehn Jahren — ohne Abnahme im Gesamtbestand der Singvögel; die Zahl der brütenden Arten stieg sogar. In Berlin bleiben nach Erhebungen der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft die Brutbestände von Freibrütern wie Amsel und Grünfink gleich oder nehmen zu.

Ein Detail ist für Parkbesucher unmittelbar relevant: Elster und Nebelkrähe werden nach Angaben des NABU Berlin oft erst in Kombination mit Störungen zu Nesträubern — wenn Menschen, Hunde oder Katzen die Altvögel vom Nest vertreiben und die Rabenvögel diese Abwesenheit nutzen. Wer auf den Wegen bleibt und seinen Hund in der Brutzeit nicht durchs Gebüsch stöbern lässt, verringert solche Gelegenheiten.

Saatkrähenkolonien: das Beispiel Rosenheim

Wo eine Saatkrähenkolonie in einem Park oder an einer Allee sitzt, entstehen die bekannten Konflikte: lautes Krächzen, das nach Angaben des LBV besonders nahe Schulen oder Krankenhäusern problematisch werden kann, und Verschmutzung von parkenden Autos, Spielplätzen und Parkbänken unter der Kolonie.

Rosenheim zeigt, was Vertreiben bewirkt. Die ersten Kolonien bildeten sich dort etwa ab 2009, unter anderem an der Loretowiese. Nach Beschwerden führte die Stadt 2020 und 2021 an mehreren Stellen eine akustische Vergrämung durch, in Bad Aibling wurde es 2021 und 2022 versucht. Das Ergebnis beschreibt der LBV so: Vergrämung und Holzeinschläge führten zu Aufsplitterungen und neuen Koloniegründungen; die Zahl der betroffenen Bürgerinnen und Bürger nahm nicht ab, sondern zu. Rosenheim beschloss im Sommer 2021, keine weiteren Ausnahmegenehmigungen für Vergrämungen zu beantragen.

Der LBV empfiehlt stattdessen, Störungen einer Kolonie zu vermeiden, gegen Verschmutzung vorzusorgen, an Schulen oder Krankenhäusern Schallschutzfenster einzubauen und Kolonien im Einzelfall einzuzäunen.

Angriffe in der Brutzeit

Scheinangriffe von Rabenkrähen auf Menschen, Hunde oder Katzen kommen laut LBV nur zur Brutzeit vor, und nur, solange die Küken im Nest oder frisch ausgeflogen sind. Die Jungvögel sind nach dem Verlassen des Nestes oft noch kaum flugfähig und halten sich tagelang am Boden auf; die Eltern halten potenzielle Feinde auf Abstand. Dabei streifen sie in seltenen Fällen Mensch oder Tier mit Beinen oder Flügeln. Insgesamt sind solche Fälle sehr selten, die allermeisten Krähen sind Menschen gegenüber sehr vorsichtig.

Auch an Spielplätzen sieht der LBV keinen Handlungsbedarf: Es gebe Tausende, an denen Rabenkrähen und Menschen problemlos miteinander auskommen. Drei bis vier Wochen nach dem Ausfliegen sind die Jungen selbstständig. Ob Krähen bei solchen Abwehrflügen einzelne Personen wiedererkennen, fassen die Studien unter Erkennen Krähen Menschen wieder? zusammen.

Was am Nestbaum erlaubt ist

Alle europäischen Vogelarten sind besonders geschützt. § 44 Abs. 1 Nr. 3 Bundesnaturschutzgesetz verbietet, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten dieser Arten zu beschädigen oder zu zerstören. Während der Brutzeit dürfen Rabenvögel deshalb nicht gestört, getötet oder ihr Nest entfernt werden — auch dann nicht, wenn die Art wie die Rabenkrähe in Bayern jagdbar ist. Wer dennoch eingreifen will, braucht eine Ausnahmegenehmigung; in Bayern ist dafür nach Angaben des LBV die Bezirksregierung zuständig. Die Saatkrähe unterliegt nicht dem Jagdrecht.

Für Baumarbeiten gilt zusätzlich § 39 Abs. 5 Nr. 2: Bäume außerhalb des Waldes, Hecken und Gebüsche dürfen vom 1. März bis 30. September nicht abgeschnitten, auf den Stock gesetzt oder beseitigt werden. Zulässig bleiben schonende Form- und Pflegeschnitte sowie Schnitte zur Gesunderhaltung von Bäumen. Für Bäume auf gärtnerisch genutzten Grundflächen gilt die Frist nicht; wie eine konkrete Park- oder Friedhofsfläche einzuordnen ist, beurteilt die Untere Naturschutzbehörde. Das Verbot, besetzte Nester zu zerstören, gilt unabhängig davon. Diese Seite gibt den Rahmen wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.

Einen praktischen Grund gegen das Entfernen alter Nester nennt der NABU Berlin gleich mit: Verlassene Nebelkrähennester können Waldohreulen und Falken als Brutplatz dienen.

Häufige Fragen

Warum gibt es in manchen Parks und auf Friedhöfen so viele Rabenvögel? Weil dort alte Bäume als Brutplatz, kurzrasige Flächen mit Würmern und Insekten sowie Abfälle zusammenkommen. Dazu wird in Siedlungen nicht gejagt, und Feinde wie der Habicht meiden dicht bebaute Zonen eher.

Sind Krähen im Park gefährlich? In aller Regel nicht. Scheinangriffe gibt es nur, solange Küken im Nest oder frisch ausgeflogen sind, und auch dann sehr selten. Drei bis vier Wochen nach dem Ausfliegen sind die Jungen selbstständig.

Schaden Elstern und Krähen den Singvögeln im Park? Ein Bestandsrückgang ist nicht belegt. In Osnabrück nahm die Elster in knapp zehn Jahren um 280 Prozent zu, ohne dass der Gesamtbestand der Singvögel abnahm.

Darf ein Krähennest auf dem Friedhof entfernt werden? Während der Brutzeit nicht; das verbietet § 44 BNatSchG. Für Eingriffe braucht es eine Ausnahmegenehmigung. Baumschnitt ist zusätzlich an die Fristen des § 39 BNatSchG gebunden.

Hilft es, eine Saatkrähenkolonie zu vertreiben? Die Erfahrungen aus Rosenheim sprechen dagegen: Vergrämung führte dort zur Aufsplitterung in neue Kolonien, und die Zahl der Betroffenen stieg.

Quellen

  1. Schweizerische Vogelwarte: Elstern und Rabenkrähen im Siedlungsgebiet.
  2. NABU: Wintervögel bestimmen — Rabenvögel im Vergleich. Bestandsangaben nach „Vögel in Deutschland 2013“ (DDA, BfN, LAG VSW).
  3. NABU Berlin: Ungeliebte Krähenvögel.
  4. LBV: Mythen und Fakten zu Elster, Krähe und Co.
  5. LBV: Krähenattacken — Interview mit Matthias Luy, LBV München.
  6. LBV: Saatkrähen — Probleme und Lösungen.
  7. LBV Kreisgruppe Rosenheim: Saatkrähen — Kolonien in Rosenheim und Bad Aibling, Erfahrungen mit Vergrämung.
  8. LBV: Schwarze Vogelschwärme über Bayern — warum Rabenvögel jetzt besonders auffallen.
  9. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 39 und § 44 — Gehölzschnittzeiten und Schutz der Fortpflanzungs- und Ruhestätten.
  10. Bundesjagdgesetz (BJagdG) § 6 — Ruhen der Jagd in befriedeten Bezirken.

Stand: 15. September 2026 · zurück zu Lebensraum